Aikido für Kinder
Jede sportliche Betätigung hat ihren Wert und ihre besonderen Qualitäten. Das Ki Aikido ist eine jener japanischen Disziplinen, die für ihren erzieherischen Wert im körperlichen und psychischen Bereich bekannt sind. Vom physischen Standpunkt aus gesehen ist Aikido eine ausgereifte Kunst der Bewegung: Die positiven Auswirkungen wie z.B. Verbesserung der körperlichen Koordination und der Fähigkeit passend zu reagieren, die sich aus der beständigen Übung ergeben, zeigen sich nicht nur im Training auf der Matte sondern auch im täglichen Leben. Es fällt einem viel leichter sich auf ungewohnte neue Situationen einzustellen. In der Realität ist dies ein erzieherischer Prozess, der nicht nur die sportliche Aktivität umfasst, sondern auch eine Schule des Lebens ist, die es den Kindern erlaubt, besser aufzuwachsen, indem man sie Disziplin, das Zuhören und das Einhalten von Regeln lehrt. Aikido erzieht zu Besonnenheit und zum Respekt gegenüber sich selbst und gegenüber anderen.
Die Kinder können altersgemäß mit Aikido anfangen, schon ab einem Alter von 5 oder 6 Jahren. Sie lernen schnell und angstfrei. Aikido begünstigt die motorische Koordination, die Konzentration und die Aufmerksamkeit. Es fördert mittels verschiedenster Übungen das Bewusstsein des eigenen Körpers und der Energien bei Bewegungen. Es lehrt vorwärts und rückwärts zu rollen, sich im Kniestand zu bewegen, die Bewegungen von Angreifern wahrzunehmen und sie gewaltfrei und ohne Aggressionen zu neutralisieren.
Beim Aikido beachtet man die Regeln sehr genau, man muss absolut korrekt arbeiten. Aus diesem Grund können wir es für Kinder empfehlen, die zu unruhig sind, sie werden im Unterricht angeleitet, ihre Energien zu mässigen und sich auf das zu konzentrieren, was sie gerade tun. Die zu ruhigen oder ängstlichen Kinder gewinnen einen Sinn für Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein. Beim Aikidounterricht lernen die Kinder den vielleicht vorhandenen täglichen kleinen Stress abzuladen und ihre Ängste zu überwinden. Viele von ihnen verlieren dabei dann die typische Ängstlichkeit. Man muss auch dem Vorurteil widersprechen, dass Aikido hauptsächlich etwas für Jungen sei. In Wirklichkeit bringen die Mädchen wegen ihrer natürlichen Affinität zu Konzentration und Bewegungsbewusstsein – das ist bei ihnen besser entwickelt als bei den Jungen – günstige Voraussetzungen für Aikido mit. Die Kinder lernen und haben gleichzeitig Spass dabei – so kann Aikido als eine gute Ergänzung in erzieherischer Hinsicht gewertet werden.
Aikido lehrt die Kinder darüber hinaus eine Art Nächstenliebe, denn es entwickelt kein Konkurrenzdenken, das einzig aufs Gewinnen zielen würde. In Wirklichkeit werden die Kinder angeleitet, mit ihren Kameraden auf harmonische und freundliche Weise umzugehen.
Der Ort, wo Aikido geübt und wo es unterrichtet wird,
nennt sich DOJO. Man übt barfuss auf weichen Bodenmatten (Tatami), die das
Auftreffen auf den Boden beim Fallen und Rollen dämpfen. Die Kinder tragen
als Sportkleidung einen sogenannten DOGI und in der Regel auch farbige
Gürtel, die den Grad ihres Fortschritts anzeigen. Sie beginnen mit dem
weißen Gürtel und dann können sie nach den jährlichen Prüfungen
fortschreiten über weiss-gelb, gelb, gelb-orange, orange, grün, blau, rot
bis braun.
Für den Weg von der Umkleide bis zur Mattenfläche
müssen Sandalen oder Schlappen benützt werden, auf japanisch ZORI.
Aikido schafft die Gelegenheit, zusammen zu sein und dabei eine Botschaft des Friedens zu vermitteln. Es schätzt die Harmonie als einen hohen erzieherischen Wert. Jede Unterrichtsstunde beginnt und endet mit einer traditionellen Begrüssung, die Anstand und Respekt bekundet. Die Stunden bestehen aus einer Anfangsphase zum Aufwärmen; über eine Reihe von gymnastischen Übungen kommt man schließlich zur Vermittlung von Techniken des Aikido. Die Kinder üben dabei meist zu zweit oder in kleinen Gruppen.
Während des Trainings werden die Aikidotechniken, angepasst an das jeweilige Alter der Schüler, mehrmals wiederholt, die Kinder führen einfache, richtige und ungezwungene Bewegungen aus. Sie lernen zu fallen ohne sich weh zu tun, sie rollen selbst oder werden geworfen, sie entwickeln ihre Reflexe und sie lernen den Schlägen und den Angriffen auszuweichen, sowie ohne Angst und Aggressivität zu reagieren. Die Größeren (ab 10 Jahren) werden außerdem in den Basis-Kata (festgelegte Bewegungsabfolgen) mit Holzschwert (BOKKEN) oder mit dem Stab (JO) unterrichtet. Beim Üben des Aikido lernen sie ausserdem vielerlei andere Sachen zusätzlich …
Aikido – eine Kunst die gerade für Kinder hervorragend geeignet ist.
Italienischer Originaltext: Moreno Maule, Novara (I) und Yvette Voumard, Balerna (CH)
Übersetzung aus dem Italienischen: Bernhard Boll, Ki Aikido Hechingen