Buch

Aiki-jujutsu

nach Ueshiba

Das Erbe von Mochizuki Minoru Sensei in der Daito Ryu Aiki-jujutsu Seifukai

Das Buch von Roberto Granati, einem Historiker mit Schwerpunkt Japan, mit Illustrationen von Francesco Dessì, einem Aikidoka, schildert die historische Entwicklung des Aiki-Jujutsu von den Anfängen bis zu einer aktuellen Schule, der Seifukai. Daito Ryu Aiki-jujutsu ist in den letzten Jahrzehnten nicht zuletzt dadurch bekannter geworden, weil es die technische Basis des Aikido von Morihei Ueshiba ist. Diesem ist ein eigenes Kapitel gewidmet und es ist sehr interessant zu lesen, wie sein Wirken aus der Sicht des Aiki-jujutsu gesehen wird.
Ein weiterer wichtiger Lehrer im Aiki-jujutsu war Minoru Mochizuki (1907-2003), ein Schüler von Jigoro Kano (Judo) und von Morihei Ueshiba. Er war der erste "Aikidoka", der nach Europa kam. Er lehrte in Frankreich. Aus Verbundenheit zu Ueshiba nannte er seine Kunst später sogar eine Zeitlang Aikido.
In den weiteren Kapiteln beschreibt das Buch Grundübungen, Basistechniken, Kata und die Techniken bis zum ersten Dan in der Daito Ryu Aiki-jujutsu Seifukai. Alle japanischen Begriffe sind auch in Kanji angegeben. Das Buch enthält sehr viele Zeichnungen und ein Reihe von historischen Fotos.
Interessanterweise werden einige Übungen beschrieben, die man vielleicht als original Tohei-Übungen vermutetet hätte. Es sind auch einige Techniken dabei, die erst Yoshigasaki-Sensei bei der Neufassung des Prüfungsprogramms und der Tsuzukiwaza wieder ins Aikido aufgenommen hat.
Insgesamt enthält das Buch sehr viele Details, die absolut systematisch präsentiert werden. Der Grundtenor des Buches ist, dass im Aiki-jujutsu eine alte Kriegskunst gepflegt wird, die es zu erhalten gilt. Es wird das Loblied auf den Krieger und seine Techniken gesungen.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Unbewaffnetes Bujutsu
Nahkampf der Samurai -- Die Entwicklung der traditionellen Jujutsu-Schulen -- Der Einfluss des Bushido und der philosophische Aspekt der Kampfkünste
Kapitel 2: Die Pioniere des Aiki-jujutsu
Die Ursprünge des Daito-ryu Aiki-jujutsu -- Takeda Sokaku Sensei, die Popularisierung von Daito-ryu -- Ueshiba Morihei Sensei, von Aiki-jujutsu bis Aikido -- Mochizuki Minoru Sensei, ein moderner Bushi
Kapitel 3: Daito-ryu Aiki-jujutsu Seifukai
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Daito-ryu Aiki-jujutsu und Aikido -- Jujutsu im Yoseikan Hombu Dojo und im Sogo Budo -- Von Yoseikan Aiki-jujutsu bis Seifukai Daito-ryu -- Das KBS Daito-ryu: Merkmale und Forschung in der Tradition -- Reishiki im Daito Ryu Aiki-Jujutsu Seifukai
Kapitel 4: Die Kihon
Die Grundlagen: Aruki Kata und Tai Sabaki -- Grundstellungen und Atemi Waza -- Wie man fällt: Ukemi Waza -- Sich aus Griffen befreien: Te-Hodoki -- Hojo-Undo
Kapitel 5: Kata
Die Kata des Daitò Ryu Aiki-Jujutsu Seifukai -- Das Studium des Messers: Tanto Happo no Kata -- Techniken im Sitzen: Suwari Waza no Kata -- Der Körper als Kampfelement: Tai no Kata

Minoru Mochizuki

war schon in seiner Kindheit ein begeisterter Budoka. Er erlernte einige sehr harte Jujutsu-Stile und fand dann seinen Weg zum Kodokan von Jigoro Kano. Dieser schickte ihn auch zu Ueshiba, um Aiki-jujutsu zu lernen. 1932 erhielt er zwei Urkunden (2 m bzw. 3 m lang) von Ueshiba, die seine Meisterschaft im Aiki-jujutsu bestätigten.
Er reiste 1951 nach Frankreich und wurde dort sehr bekannt. Er unterrichtete Aiki-jujutsu, Judo und Kenjutsu. Später kehrte er nach Japan zurück. Sein Sohn Hiroo (*1936) führt hauptsächlich in Frankreich das von Minoru Mochizuki begründete Yoseikan Budo fort.

HOJO UNDO - TSUPPARI

Hojo undo (捕助運動) sind körperliche Stabilitätsübungen im Aiki-Jujutsu. Mochizuki Sensei legte angeblich grossen Wert darauf. Die Basisform ist das sogenannte Tsuppari (突っ張). Uke will Nage mit den Händen wegschieben. Nage soll seine Stabilität - im Stehen oder im Sitzen - entwickeln. Dabei kann Uke die Hände auflegen und drücken oder auf Nage zukommen und dann drücken. Nage sollte im letzteren Fall zen no zen praktizieren. Die Übung wird im Buch damit begründet, dass die Samurai im Kampf ökonomisch mit ihren Kräften umgehen mussten. Die Stabilität resultiert aus der korrekten Körperhaltung/form.
Offensichtlich sind diese Übungen Vorläufer der entsprechenden Ki-Tests von Tohei Sensei.

Ki Test im Agura

Yoshigasaki demonstriert hier, dass bei diesem Ki-Test die Form der Arme wichtig ist.
Uke legt seine Hände von oben auf die Schultern von Nage und drückt in Richtung eines Ziels etwa 2 bis 3 m hinter Nage auf dem Boden. Nage legt ihre Hände von unten an die Arme von Uke an.
Die ikkyo-Form ergibt keine stabile Haltung. Nage muss die Handflächen an Ukes Arme anlegen. Diese Form der Arme nennt Yoshigasaki Sensei die gokyo-Form.

ASHI GATAME

Aiki-jujutsu:
Uke greift in diesem Beispiel mit dem Messer an. Nage taucht ab und kontrolliert Ukes Bein ab dem Knie. Er bringt ihn zu Fall, verhebelt den Unterschenkel und dreht Uke auf den Bauch.
Danach verschränkt er die Beine von Uke derart, dass dieser komplett fixiert ist (ashi gatame, 脚固, hier nicht mehr abgebildet).

Mawashi geri - ashidori

Bei der Gestaltung der Tsuzukiwaza in den ersten 2000er Jahren führte Yoshigasaki Sensei einige Techniken ein, die es vorher in den Taigi von Tohei Sensei nicht gab.
Die 7. Technik in Tsuzukiwaza 16 ist ein Angriff mit einem seitlichen Fusstritt (mawashi geri, 回し蹴). Nage weicht aus und schützt sich mit einer Handkante zum Knie von Uke, fixiert mit der anderen Hand dessen Fuss von oben und knickt dann Ukes Bein anatomisch korrekt ein, so dass dieser zu Fall kommt. Anders als im Aiki-jujutsu wird das Bein anschliessend nicht verhebelt. Daher kann man die Technik nicht ashi gatame nennen.
Sie wird mit ashidori (足取り, den Fuss/das Bein fassen) bezeichnet.

Koichi Tohei Sensei

Auf diesen alten Filmaufnahmen aus den 1960er Jahren zeigt Tohei Sensei Techniken gegen ushiro ryokatadori. In dem kurzen Ausschnitt sehen wir zenponage aus dem seiza, drei Versuche von ashidori und einen schönen zenponage, der durch einen Griff am Hals ausgelöst wird.
Diese ashidori Form und die letzte Technik waren später in den Standardtechniken der Ki no Kenkyukai nicht mehr vertreten.