Aikido

und Aggressivität

Nicht-Aggressivität

Yoshigasaki Sensei erläutert hier auf seinem letzten Wochenseminar in Bosco Gurin (CH) im Sommer 2019 die radikale Änderung, die Ueshiba Morihei am ursprünglichen Daito Ryu Aikijujutsu vorgenommen hat. Der Zweck der Techniken änderte sich. Sie waren jetzt Vorbereitung auf religöse/spirituelle Erfahrungen und wurde nach Yoshigasaki Senseis Worten zu "Akten".
Tohei Sensei habe dann die Techniken nicht-aggressiv ausführen wollen. Das funktioniere aber nicht, da alle Techniken früher oder später in Aggressivität enden würden.
Der Vorschlag von Yoshigasaki Sensei ist, die Techniken als Akte aufzufassen, einfach nur um sich auszudrücken.

Inhalt des Videos

(sinngemäss und die meisten Wiederholungen ausgelassen)
... also Aikido als Einführung in die Religion.
Ueshiba traf auf Omoto-kyo und deshalb wurde die Religion für ihn wichtiger.
Wir wissen alle, dass wir Aikido(techniken) im normalen Leben nicht anwenden. Was nützt es also, wenn wir diese üben?
Ueshiba dachte also, dass die Aikidopraxis dazu dienen kann, zu Gott zu gelangen, Aikido als ein Weg zu Gott. Das ist Religion. Und so wurde es ein Mittel, um sich auszudrücken.
Ueshiba drückte mit Aikido seine Vorstellung von Religion aus. Es wurde zu einem religösen Akt. Es ist nicht eine religiöse Technik, es ist ein Akt. Ist der Unterschied klar?
Alle Akte im religösen Bereich sind keine Techniken. Wenn es sich also um einen religösen Akt handelt, ist es nicht aggressiv. Das war die Idee von Ueshiba, um nicht-aggressiv zu werden. Dieser Teil ist sehr wichtig.
Auch Meister Tohei irrte. Er wollte nicht-aggressive Techniken ausführen. Das ist sein Irrtum. Nicht-aggressive Techniken gibt es nicht.
Wenn alles glatt läuft, sieht es nicht-aggressiv aus. Aber, wenn es schwierig wird, dann ... hau-ruck. Das war also sein Irrtum. Das funktionierte nicht.
Jede Technik ist aggressiv. Einzig Akte sind nicht aggressiv.
Immer, wenn man eine Technik machen will, wird es aggressiv. Das ist ein ganz normale Sache.


Bemerkung

Ueshiba Morihei sprach in seinen Ausführung immer von "kami". Dies mit "Gott" oder "Götter" zu übersetzen, ist kaum vermeidbar aber etwas zu speziell. Kami sind nach Ueshibas Verständnis Geistwesen in einer spirituellen Welt. Ueshiba fühlte sich dieser Welt, der gesamten Natur, dem gesamten Universum, verbunden und realisierte dies durch Aiki Jujutsu, Aiki Budo, etc. und später Aikido. Er verstand die spirituelle Welt als eine Welt voller Harmonie. Folglich waren seine Techniken oder Akte entsprechend harmonisch und nicht-aggressiv und sollten die Verbundenheit mit dieser Welt einüben.
Für Tohei Sensei waren Ueshibas Vorstellungen möglicherweise zu religiös und er suchte für sein Aikido eine andere Basis. Er fand sie im Konzept von Ki. Das Ki des Universums ermöglicht es, dass die Techniken funktionieren. Normalerweise war daher Aggressivität nicht nötig.
Yoshigasaki Sensei fand die Lösung für Nicht-Aggressivität im Konzept von "Akten". Während Techniken ein klares Ziel haben, ist ihm zufolge ein Akt absichtslos, als momentaner situationsbedingter "Ausdruck". Dies sieht er als Basis für nicht-aggressives Handeln (Aktionen).